Neuberlin

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Berlin war nicht zufällig in den letzten 20 Jahren der Ort, an dem es sich freiheitlicher und selbstbestimmter leben ließ als in vielen anderen Metropolen. Der Grund für diese besondere Situation liegt in den Zerstörungen des letzten Krieges und der folgenden politischen Zweiteilung, welche nach der Wiedervereinigung eine in Teilen brachliegende Stadtstruktur zurückließen, die plötzlich preiswert und befreit vom politischen Konflikt zur Verfügung stand. Dieser Freiraum zog massenhaft junge Menschen, Freiheitsliebende, Akteure, Impulsgeber und Kulturschaffende an.
Gleichzeitig begann in den 90er Jahren die Sanierung der strukturschwachen und herunter gekommenen Stadtgebiete. Die Überbauung der Brachen und ökonomische Durchreglementierung setzte den Prozess der Umverteilung der sozialen Bevölkerungsschichten in Gang. Mit den Immobilienspekulationen, welche sich durch die jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen verstärkten, verschwinden derzeit innerhalb des S- Bahnringes die bezahlbaren Räume und somit auch die Handlungsräume der Urbanisten, der kreativ Tätigen, Andersdenkenden und Freigeister. Begrenzt werden dadurch Stück für Stück jene Schlupflöcher, die ein relativ unbestechliches und unabhängiges Leben ermöglichen.

Die Frage, die sich in Berlin insbesondere der über die Jahre ansässig gewordene Zirkus der Kulturschaffenden immer eindringlicher stellt, ist jene, wie Wohn- und Arbeitsbedingungen bezahlbar weiter existieren können. Um dabei nicht selbst Teil der Gentrifizierung zu werden, ist es wichtig, die Mechanismen des Arbeits- und Produktionsmarktes sowie die der Immobilien- und Geldwirtschaft zu umschiffen. Denn was sich gerade deutlich in Berlin abzeichnet: Die Eigentumsbildung allein durch die Baugruppen und das damit verbleibende Einzelinteresse an Renditen treiben die Gentrifizierung weiter voran.

Das Ziel des Wohnprojektes NEUBERLIN besteht darin, auf die beschriebene Verdrängung und Einschränkung der weniger Verdienenden mit einem ganzheitlichen Ansatz zu reagieren. Gleichwertig werden Gemeinwohl, Gemeinschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, sowie ökologische, raumklimatische, baukulturelle und kulturelle Ansprüche verhandelt.

Um die Spekulationen mit Eigentum langfristig auszuschließen, soll ein Mietshaus mit bezahlbaren Mieten errichtet und bewirtschaftet werden.

Die gesamte Planung zielt darauf ab, die Baukosten durch prinzipielle Vereinfachungen und die Wahl der verwendeten Materialien und Technologien niedrig zu halten.

Als Grundstein des Vorhabens wurde 2013 der Hausverein Neuberlin e.V. gegründet. Im Verein sind die zukünftigen Mieter vertreten, die über die Belange des Wohnprojektes entscheiden.

Der Verein kooperiert mit dem Unternehmensverbund des Mietshäuser Syndikats, auf dessen Erfahrungswerte wir zurückgreifen, um uns gleichzeitig als Initiative mit neuen Ideen einzubringen. Informationen zum Mietshäuser Syndikat: www.syndikat.org