Spielbudenplatz

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Wettbewerbsbeitrag Spielbudenplatz in Hamburg, 2004
Ingo Gerken und Tom Kühne


Vision: Unser Vorschlag faßt den Spielbudenplatz als performativen innerstädtischen Freiraum. Er begreift ihn in seiner ganzen Ausdehnung als virtuelle Landschaft, als Bühne und als Promenade zugleich. Eine urbane Oberfläche, die ihr ureigenes öffentliches Wesen als Forum thematisiert und reflektiert, und ihre allgemeine Zugänglichkeit als spielerische Interaktionsfläche, als Kraftfeld und als diskursives Medium bewahrt und erweitert. Ein Spielbudenplatz, der kontinuierlich eine neue Wirklichkeit hervorbringt und sich in Relation setzt zum örtlichen Geschehen, zu seiner Umgebung. Ein dynamischer, flexibler, aktiver Public Space.

Form: Der Platz stellt sich als ein weites Pixelfeld aus transluzenten Glasbodenplatten dar. Die Platten liegen in einem Metallschienenraster. Die ebene Oberfläche hebt sich an beiden Endpunkten des Platzes und läuft stufenförmig in zwei sich gegenüberliegende Tribünen aus.

Struktur: Die Bodenplatten sind durch mehrfarbige LED-Einheiten illuminierfähig und einzeln steuerbar. Die komplette Bodenfläche ist vernetzt. Ihre farbliche Kombinierbarkeit ist unendlich variabel. Der Spielbudenplatz verwandelt sich 1:1 in eine mediale Oberfläche, in einen strukturierten und strukturierbaren Stadtraum. Tagsüber erscheint die Fläche als universelle städtische Fassade. Ein geometrisches Ordnungsprinzip und ein minimalistisches Plateau. Nach Einbruch der Dunkelheit bildet es als “Lichtermeer” ein neues Zentrum des nächtlichen St.Pauli.

Plan: Der Platz ist virtuelles Leuchtinstrument und digitaler Ort. In Kooperation mit Hamburger Kunstinstitutionen (Kunstverein, Kunsthalle) werden im temporären Wechsel internationale Künstler dazu eingeladen mit diesem Ort zu arbeiten. Der Platz wird elektronische Basis für Künstlerpositionen und Kunstprojekte mitten im Public Space. Öffentliche Raum wird Medium und Monitor. Eine horizontale Schnittstelle, ein Berührungspunkt.

Potential: Als sozio-skulpturales Panorama stellt der Platz die Strukturen des öffentlichen Raumes exemplarisch in seiner Mehrschichtigkeit und Transparenz zur Disposition. Er verkoppelt realen und virtuellen Raum. So kann er permanentes “Neuland” sein, ein Spielfeld und ein Forschungsgebiet. Ein offenes sensorisches System, das seinen Standpunkt nicht endgültig definiert, sondern stetig verändert und entwickelt.

Interaktion vor Ort: Die Fläche reagiert unmittelbar auf Passanten. Bewegungen werden registriert und rückgekoppelt, und lösen in Echtzeit programmierte oder dynamische Prozesse aus.

Interaktion online: Über das Internet wird die Fläche geöffnet und per Mausklick bespielbar. Der Platz wird zur globalen Touch-Screen.

Der Platz als geschlossenes System: Es werde vorprogrammierte Lichtseqenzen abgespielt.

Der Platz als Veranstaltungsort: Für Events und Bühnenshows kann die Lichttechnik voll genutzt werden. Die Tribünen funktionieren als Zuschauerränge.

Der Platz in traditioneller Funktion: Die Freifläche ist unabhängig von der Lichtaktivität nutzbar. Innerhalb dieser Kategorien sind die Möglichkeiten unermeßlich.

Organisation: Ein Kuratorium begleitet das Projekt und wählt die KünstlerInnen aus. Ein Team von Programmierern unterstützt die Realisierung der Projekte.

Architektur: Die Einfahrten in das unterirdische Parkhaus werden in zwei sich gegenüberliegende Tribünen integriert, die den Platz formal abschließen und überschaubar machen. Die Tribünen sind Landschaftsreferenz und Sitzgelegenheit. Sie skizzieren das klassische Motiv der Freitreppe und bilden im Zusammenklang eine offene Arena. Ihre Ausrichtung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Fläche. Ihr Innenraum steht für die notwendige Technik zur Verfügung.

Die Hinterseiten der Tribünen sind zur Straße hin als Fassade wahrnehmbar. Sie geben dem Platz an den Kopfenden eine Außenseite und ein Gesicht. Hier erscheinen die Tribünen als pavillonartige Gebäude, deren seitliche Abstufungen auf den Platz weisen und eine Begehbarkeit als Aussichtsplattform andeuten.

Statement: Als skulpturale Landschaft und metropolitane Oberfläche rückt sich der Platz offensiv in das öffentliche Bewußtsein. Die Flächenbespielung ist total, der Raum an sich bleibt jedoch leer.
Der Spielbudenplatz wird künstlerisches und gesellschaftspolitisches Wirkungsfeld. Ein Display für kommunikative Prozesse an den Schnittstellen Stadt/Web, Platz/Skulptur und Information/Transformation.
Der Platz übernimmt als Lichtkörper den Rythmus seiner Umgebung. Er thematisiert die Tag-Nacht-Ambivalenz des Quartiers und fungiert so auch als Identifikationsobjekt, als Teil des Organismus St.Pauli. Er steht als integratives Leuchtelement im Zentrum des Rotlicht-, Theater- und Barmilieus, ist Alltagsbühne, Spielkonsole und Signal. Ein Projektions- und Suggestionsraum. Eine Insel, ein Pool.




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