Hellebarde

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Das Lichtobjekt lehnt sich an die Wand. Ein langes Kabel ermöglicht das Umsetzen der Lichtquelle. Für die Bespannung werden traditionelle, gebrauchte Kimonos neu verwendet.

Leuchtmittel: 105 W Halogen

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Vom Sinnlichen zum Symbolischen

Der uns vertraute Raum ist in-formiert. Seine Wirklichkeit ist von uns ausgemessen und jedes seiner Teile ist belegt, bezeichnet und gedeutet. Allerdings deformieren sich die Zeichen seiner Kenntlichkeit angesichts einer Fülle, einer Drängung und Überlagerung seiner Anwendungen. Gleichzeitig ist es jene Sphäre der Unschärfe, des Ungefähren und Ähnlichen, in der sich in einem ständigen Verjüngungsprozess die Bedeutung aller Begriffe wandelt, um neu zu bilden.

Die Symbol- und Zeichenbildung vollzieht sich im Wandel der mit den Sinnen wahrgenommenen Begriffe, die zum Träger von Sinnhaftem werden. Je dichter die Folge der Nachbildung eines Begriffes, um so mehr gelangt sein Ausdruckssinn in eine höhere Sphäre, in die der reinen Bedeutung. Im Reich der Gedanken, löst sich die Begriffsform von ihrer anschaulich sinnlichen Fassbarkeit in ein idealistisches Zeichen. Gelöst aus der direkten begrifflichen Verkettung in der Sinnenwelt fungiert es als eine schwebende und zugleich verdichtete Idee, die den Anschein einer objektiven Realität beansprucht. Das Zeichen überschreitet den endlichen Moment, um im Unendlichen als absolut und vielsagend Gesetztes zu repräsentieren. Es strebt dem Ziel der Erhabenheit entgegen, die jenseits der Schranken des sinnlich Erfahrbaren liegt. Das Zeichen ergreift uns, so Cassirer, innerlich, denn „…in dem ich in ihr lebe und bin, ist die Gestalt, die ich vor mir sehe, wie erfüllt und durchtränkt mit neuem Sinne. Sie ist umwittert von einem magischen Zauberhauch; sie wirkt nicht mehr bloß als ästhetische Form, sondern als Uroffenbarung aus einer anderen Welt: einer Welt der Heiligen, die den, der für sie aufgeschlossen ist, hier mitten im sinnlichen Erlebnis mit ihrem Geheimnis und mit ihrem Schauer überfällt.“

Hier wird nachvollziehbar, das jene Bindung am Sinnlichen wie das darüber hinausgehen im Sinnhaften eine grundlegende Polarität des Seins selbst ausdrückt. Allen vorhandenen und werdenden Dingen im Raum liegt diese Dialektik zugrunde, zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit, zwischen Absoluter Idee und ihrer anschaulichen Darstellung und Verkörperung.

Wie verschieden Form und Stoff, das Sensuelle und die Intension auch angelegt sind, unmöglich lassen sich ihre Aspekte als Phänomen aus ihrem realen Sinnesverband herauszulösen. Mit Cassirer lässt sich dennoch klar beschreiben, wie das Sinnliche verschieden gestaltet und wie es verschiedenes besagt und meint, je nach Sinnperspektive, je nach dem Blickpunkt, unter den es rückt.

Was überhaupt eine Zuordnung festhält und in einer wechselseitigen Beziehung und Entsprechung erklärt, zeigt sich im Ringen um eine generelle Mitteilbarkeit. Zeichen und Symbole sind nämlich den Spielregeln des Zeigens unterworfen. Denn in welchem ideell-mythisch- religiösem Bild unsere Einbildung auch gefasst wird¬¬¬ – sie benötigt eine ihr vorauseilende und ordnende Darstellungsweise, um sich von einer Umgebung, die letztlich immer eine konkurrierende ist, abzuheben. Ebenso ist jedes mit Bedeutung aufgeladene Gebilde zwangsläufig in räumlichen Verhältnissen - in einer Rahmenhandlung positioniert. Die Sphäre allgemeiner und elementarer Raum-Begriffe schafft erst die Orientierung zu den einzelnen symbolischen Formen und zwischen ihnen.

Jeder sprachliche Satz enthält nach Cassirer eine bestimmte Setzung, die eine Beziehung im Sein aussagt. Ein Bestand muss an sich für jedes empfindende, anschauende und denkende Subjekt auf gleiche Weise auffindbar und feststellbar sein, um die rein inhaltlichen Zuständigkeiten transportieren zu können.

Die zwei Motive des objektiven und subjektiven Moments zeigen den spezifischen Grundcharakter des Ästhetischen, den wir uns als reine Wechselbeziehung und Wechselbestimmung vorstellen müssen. Cassirer spricht von einem idealen Gleichgewicht, das im Rhythmus zwischen Ausdruck und Darstellung gipfelt.
In der Dichtkunst etwa wechselt der Ausdruckssinn kraft seiner in einen reinen Darstellungssinn, so wie dieser den reinen Ausdruck sucht. Eine gesättigte rhythmische Bewegung seiner Elemente in einem Ganzen bildet das Wesen der künstlerischen Formung.

Rhythmische Wechselbeziehungen sind auch in den klassischen Bedeutungsträgern, wie in der Handfackel, der Handfahne, dem Zepter, dem Banner und der Standarte zu erkennen. Das hier so symbolisch Dargestellte ist jeweils mit einem Zeigeelement, dem Stock verbunden. Mit dem Stock gelingt es physisch und ganz real, die universelle Aussage des lebendigen Feuers oder der wehenden Fahne nahe und zugleich über dem Kopf im freien Luftraum sichtbar zu positionieren. Die fackeltragende Person haben wir dabei längst als Einheit in ihrem Ausdrucks- und Darstellungsakt verinnerlicht. Diese archetypische Szene einer über Kopf schwebenden Trophäe schöpft mit sinnlich anschaulichen Mitteln ihre symbolische Identifikation aus.

Wenn wir allein das Zeigeelement nehmen, den Ausdruck des Stockes, dann ergreift uns der Respekt um seine handgreifliche und aneignende Wirkung. Sein technisch zweckmäßiger Gebrauch hat ein Regelwerk an Begriffen über die mechanische Präzision hinterlassen, wie z.B. das Verständnis von Vereinfachung im Verhältnis zur Effizienz. Diese Erfahrungswerte sind gleichbedeutend mit der Möglichkeit eines Vorteils und der Einflussnahme in Abläufen verknüpft. Und aus diesem zutiefst praktisch bedeutsamen Sinngehalt erwächst ein sinnlicher Eindruck, eine Sinnes- Erfahrung. Allein jene bildet den Grund für eine ästhetische Erfassung die später in eine symbolische Verformung übergeht. Und so meinen wir im zweckmäßigen Stock, im Linienzug, einen eleganten und dynamischen Stil lesen zu können. Seine technische Herkunft hält von einer emotional getragenen Interpretation nicht ab.

An seinem variierenden Stil, der dem Ausdruck anhaftet, ist schließlich eine historische Epoche ablesbar. Wie weit und wie hoch die Stilbildung auch über die Begebenheit ihrer Erscheinung hinausgreift, wie sehr sie ins Ideelle streben mag; sie bleibt im anschaulichen Sein verhaftet – aber dies kann nur gelten aus einem eingenommenen Blickwinkel. Verlagert er sich, so können wir den Stock auch in reinster Darstellung wahrnehmen, nämlich als geometrische Linie, somit als Zeichen, das sich in sekundären Zuordnungsprinzipien tummelt.

Eine nachahmende Skulptur mag hier in einer idealisierten Weise für ein derartig rhythmisches Ereignis zwischen Ausdrucksfunktion, Darstellungsfunktion und der Bedeutungsfunktion entsprechen. Die Illumination lässt sich handgreiflich und mit vielsagender Sinnfüllung in die Höhe heben.

Das gleichnamige Leuchtobjekt verweist zudem auf eine mittelalterliche Spießwaffe, welche sich über ihren militärischen Einsatz hinaus zum Repräsentationssymbol der Macht etablierte. Der heutige weitestgehend dekorative Charakter der Spießwaffe zeigt Aushöhlung und Niedergang vormaliger Bedeutung. Doch scheint ein Mechanismus so grundlegend angelegt zu sein wie in der geschriebenen Zeile, wo mit Überholung der inhaltlichen Muster eine neue Bestimmung erfolgt.